Neue Regeln für Bewertung von Start-Up-Beteiligungen – leider immer noch wirklichkeitsfremd

1. März 2016, Allgemein

Heute hat die Finanzdirektion des Kantons Zürich (überraschend schnell) die neuen Regeln (link) veröffentlicht, die für die Bewertung von Aktien von Startups in der Zukunft gelten sollen. Man erinnert sich: im 2014 und 2015 wurde still eine Praxisänderung umgesetzt, indem von einer Substanzwertbetrachtung auf eine Verkehrswertbetrachtung umgeschwenkt wurde, wobei als Verkehrswert der Investorenwert herangezogen wurde, wie er z.B. im Handelsregister ersichtlich war (Kapitalerhöhungen).

Die neuen Regeln bedeuten für Startups in der early phase (bis maximal 5 Jahre Geschäftstätigkeit) zwar eine Erleichterung, zementieren aber die nach wie vor absurde Regelung, dass danach auf den Investorenwert als Verkehrswert abgestützt wird. Der Investorenwert bleibt aber auch im sechsten Geschäftsjahr (oder später) ein “Fantasiewert”, sogar allenfalls noch mehr als in einer early stage-Phase, weil die Gesellschaft ja dann bereits traction hat und möglicherweise auch schon Exit-Erwartungen bestehen.

Auch ab dem sechsten Geschäftsjahr ist der Investorenwert kein realisierbarer Verkehrswert von Startup-Aktien, weil diese Aktien ja regelmässig nicht nur vinkuliert sind, sondern mit erheblichen vertraglichen Veräusserungsbeschränkungen belegt sind, und zudem kaum ein Markt besteht. Eine Veräusserung (ein “in den Verkehr bringen”) ist demnach für steuerpflichtige Aktionäre nicht möglich – sie werden also weiterhin auf einem Vermögenswert zu einem Wert besteuert, der definitionsgemäss nicht realisierbar ist.

Auch die apodiktische Festsstellung, dass der Ausgabepreis von Mitarbeiteraktien a priori als Verkehrswert gilt, ist ebenso bedenklich – er ist der Todesstoss für echte Mitarbeiterbeteiligungen (ohne Formelbewertung). Und wie sieht es dann aus, wenn Treasury Shares verkauft werden? Gilt dies auch als “selber Festlegen” des Verkehrswerts?

Eine angemessene Regelung wäre eine aufgeschobene Besteuerung gewesen, welche auf (in Zukunft) tatsächlich realisierte Veräusserungswerte abgestellt hätte, so wie dies bei Anwartschaften zum Tragen kommt. Die jetzt gefundene Regelung ist mechanistisch und berücksichtigt den Einzelfall nicht. Wir werden auf jeden Fall versuchen, künftige konkrete EInschätzungsentscheide zu einer gerichtlichen Überprüfung zu bringen. Und wir werden auch Strukturen erarbeiten, welche diese (nach wie vor) wirklichkeitsfremde vermögenssteuerrechtliche Behandlung von Start-Up-Beteiligungen zu entschärfen helfen.

Die Sache ist absolut noch nicht durch – sie sieht nur auf den ersten Blick geklärt aus.